„Schnelligkeit ist das Wichtigste“: Schauübung der Kehler Feuerwehr zu Eisunfällen

31.01.2017

Claude Woitschitzky treibt im eiskalten Wasser des Altrheins. Nur seine Schultern und sein Kopf ragen aus dem kleinen Eisloch im Altrhein, mit den Armen hält er sich an der Eisschicht fest. Am Ufer beobachten ihn zahlreiche Zuschauer – gespannt, aber ruhig. Es liegt kein Notfall vor, denn hier handelt es sich um die Schauübung „Eisrettung“ des Wasserrettungszuges der Kehler Feuerwehr und der DLRG Kehl.

Am Samstag, 28. Januar, haben 15 Feuerwehrleute und elf Rettungsschwimmer und -taucher im Altrhein auf Höhe des Weißtannenturms verschiedene Rettungstechniken demonstriert. Außerdem erklärten sie dem Publikum, was man bei einem Eisunfall tun kann, um sich selbst oder einer anderen Person zu helfen.

Am Holzsteg, der in der Nähe des Weißtannenturmes über den Altrhein führt, war die Eisdecke am Samstagmorgen noch 15 Zentimeter dick. Dies bedeute aber nicht, dass das Eis in der Gewässermitte genauso stark sei, erläuterte Hendrik Wandres, stellvertretender Zugführer bei der Feuerwehr und Leiter der Übung, der das Geschehen im Altrhein über das Lautsprechersystem eines Feuerwehrwagens kommentierte. Generell gelte, dass stehende Gewässer eine mindestens 15 Zentimeter dicke, durchgehende Eisschicht haben sollten, um Stabilität zu gewährleisten. Bei fließenden Gewässern erhöht sich der Wert auf 20 Zentimeter.
In die Eisschicht auf dem Altrhein schnitten die Einsatzkräfte zur Vorbereitung der Übung zunächst ein quadratisches Loch. In dieses musste Feuerwehrmann Claude Woitschitzky steigen – ausgerüstet mit einem Neoprenanzug sowie einer Rettungsweste und gesichert mit einem Seil, das vom Eisloch bis zum Ufer reichte. Er demonstrierte, wie man sich selbst befreien kann, wenn man ins Eis eingebrochen ist. Dazu stützte er sich zunächst mit den Armen auf einer Seite der Bruchstelle am Eisrand auf, um dann mit den Beinen dieselbe Bewegung auf der anderen Seite des Eislochs zu vollziehen. So gelang es ihm, sich mit Armen und Beinen über das Eisloch zu strecken und sich dann seitlich auf die Eisfläche abzurollen. Für Claude Woitschitzky war mit diesem Schritt seine Selbstrettung vollbracht – er blieb auf der Eisfläche und kletterte nach einer kurzen Verschnaufpause wieder ins Eisloch hinab, um die nächste Rettungsmethode vorzuführen. Im Ernstfall, also bei einem realen Unfall, ist die Gefahr jedoch nicht vorüber, sobald man es aus dem Eisloch geschafft hat. Denn beim Weg zurück über die Eisfläche ans Ufer könnte man erneut einbrechen. Deshalb sollte man sich, erklärte Übungsleiter Hendrik Wandres via Lautsprecher, langsam über das Eis an Land robben. Dabei seien flache, ausgestreckte Bewegungen wichtig, denn so verteile sich das gesamte Körpergewicht besser auf die Eisfläche.
Diese Regel befolgten auch die beiden Feuerwehrleute, die sich bei der nächsten Rettungsübung flach auf dem Bauch liegend über das Eis in Richtung Einbruchstelle zogen, wo Claude Woitschitzky ein noch bewegungsfähiges und ansprechbares Opfer simulierte. Dass der oder die Verunglückte noch sprechen kann, wenn die Rettungskräfte den Unfallort erreichen, ist allerdings nicht immer der Fall. Bei einem Kälteschock reagiert der menschliche Körper mit verlangsamten Bewegungen, die Arme und Beine werden kalt, da sich das Blut aus den Extremitäten zurück zieht und sich auf die überlebenswichtigen Organe im Körperinneren konzentriert. „Deshalb ist Schnelligkeit bei der Eisrettung das Wichtigste“, erklärte Hendrik Wandres. Bei der Übung am Samstag waren die Retter schnell genug – obwohl auch bei ihnen Vorsicht geboten war: Vorsichtig arbeiteten sie sich mit Hilfe von Eishaken voran. Beim Eisloch angekommen, konnte sich das Opfer an dem von den Rettern mitgebrachten sogenannten Spineboard, einer leichten Rettungstrage aus Hartplastik, festhalten. So gelang es den Rettungskräften, den Verunglückten aus dem Eiswasser zu ziehen.
Ein anderes Vorgehen ist nötig, wenn das Opfer nicht mehr bewegungsfähig ist, wie die Feuerwehrmänner in der nächsten Übung zeigten: Diesmal bewegten sich zwei Retter mit zwei Spineboards über das Eis. Als sie Claude Woitschitzky erreichten, schoben sie ihn mit dem Oberkörper auf eine der Tragen und fixierten ihn darauf. Sechs Feuerwehrmänner, die am Ufer standen, zogen die drei Personen schließlich vom Eis an das rettende Ufer.
Auch wenn die Schauübungen eindrucksvoll waren und die Zuschauer genauestens über die einzelnen Schritte in der Eisrettung informiert wurden: Im Ernstfall rufen Laien am besten die Feuerwehr, anstatt selbst zur Tat zu schreiten, erklärte Hendrik Wandres. Falls möglich, könne man dem Unfallopfer eine Leiter, ein Brett, einen umgedrehten Schlitten oder ähnliche flache Gegenstände zuschieben, an denen es sich festhalten und eventuell aus dem Wasser ziehen kann. Generell gelte aber, betont der Übungsleiter: „Man sollte sich niemals selbst gefährden, indem man sich auf Eisflächen bewegt. Es lässt sich nicht einschätzen, wo das Eis brüchig und wo es stabil ist.“
Wie schnell tatsächlich der Ernstfall eintreten kann, hatte sich erst wenige Tage vor der Übung gezeigt, als die gemeinsame Einsatztruppe der Kehler Feuerwehr und der DLRG nach Lahr gerufen wurde. Dort waren zwei Mädchen in die Schutter eingebrochen. „Glücklicherweise konnte sie aber noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr gerettet werden“, berichtete Hendrik Wandres nach der Übung am Altrhein. Durchschnittlich sieben bis zehn Einsätze müsse die Wasserrettungstruppe, die momentan aus sieben aktiven Rettungstauchern sowie vier Tauchern in der Ausbildung besteht, pro Jahr bewältigen: „Im Sommer trainieren die Mitglieder zweimal pro Monat, im Winter aufgrund der Witterungsbedingungen einmal, wobei vermehrt Theorieübungen sowie Schwimmtraining absolviert werden.“

 
 

Die „Gemeinsame Tauchergruppe DLRG/Feuerwehr“ existiert seit zwölf Jahren. Ins Leben gerufen wurde die Kooperation von DLRG und Feuerwehr als Reaktion auf den Tod eines achtjährigen Jungen, der am 29. Januar 2005 im Altrhein durch das Eis gebrochen war und trotz intensiver Suche der Feuerwehr nicht gerettet werden konnte. Durch die Zusammenarbeit der DLRG und der Feuerwehr sind die Rettungstaucher der DLRG gleichzeitig aktive Angehörige der Kehler Feuerwehr im Fachbereich Rettungstaucher. Von dieser Kooperation profitieren beide Seiten. Die Stadt Kehl stellt die nötige Ausrüstung zur Verfügung, ein eigenes Feuerwehrfahrzeug „Wasserrettung“ vereinfacht die Bündelung von Ressourcen.

 
 

Termine

  • 05.12.2017 15:00 Uhr
    ARB 1 - Probe

  • 19.12.2017 15:00 Uhr
    ARB 1 - Probe

  • 05.11.2018 19:00 Uhr
    ARB 1 - Atemschutzstrecke

    Abfahrt 19:00 Uhr Feuerwache Kehl

  • 07.11.2018 19:00 Uhr
    ARB 2 - Atemschutzstrecke

    Abfahrt 19:00 Uhr Feuerwache Kehl

  • 12.11.2018 19:00 Uhr
    ARB 1 - Atemschutzstrecke

    Abfahrt 19:00 Uhr Feuerwache Kehl

Aktuelle Einsätze

  • 30.09.2017 15:53 Uhr
    Sturmschaden, Altrheinstraße, RheinauSturmschaden, Altrheinstraße, Rheinau

  • 30.09.2017 14:21 Uhr
    Verkehrsunfall, K5324, zw. Sundheim und EckartsweierVerkehrsunfall, K5324, zw. Sundheim und Eckartsweier

  • 28.09.2017 12:47 Uhr
    Ölspur, Ludwig-Trick-Str., KernstadtÖlspur, Ludwig-Trick-Str., Kernstadt

  • 27.09.2017 12:15 Uhr
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  • 26.09.2017 22:50 Uhr
    Türöffnung, Richard-Wagner-Str, KernstadtTüröffnung, Richard-Wagner-Str, Kernstadt

 
 

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