Organisation
 
   
Konzeption
Feuerwehr Kehl
   
 
Organisation
Kehler Feuerwehrkonzeption
 
     
Bei einer Debatte um ein Feuerwehrkonzept spielen neben den wenig verhandelbaren Argumenten der klassischen Aufgaben einer Gemeindefeuerwehr auch weiniger sicherheitsorientierte Überlegungen mit.
Man spricht von der „wichtigen sozialen Funktion“. Andere bezeichnen die ehrenamtlich tätige Feuerwehr als Kulturträger im Dorf oder weniger respektvoll als „Einsatztruppe des Ortsvorstehers“.
Die Diskuission um das „Wieviel Feuerwehr braucht eine Gemeinde?“ wird landesweit ähnlich ausgetragen.
Wir haben im Jahr 1995 die Feuerwehr der Stadt Kehl den tatsächlichen Entwicklungen angepasst und den Weg für die Beibehaltung der „Ehrenamtlichkeit“ für die Zukunft angelegt.
Kehl ist eine Große Kreisstadt mit ca. 34.000 Einwohnern, davon je ca. 50% in der Kernstadt und in den 10 Ortschaften. Die Stadt hat eine Gemarkungsfläche von ca. 7.500 ha in einer flächenmässigen Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung entlang des Rheins von ca. 20 km, in west-ost-Richtung von 3 - 6 km.
1995 hatte die Feuerwehr (auf dem Papier) knapp 400 Feuerwehrleite in ihren 11 Abteilungen. Fünf Wehrleute waren hauptberuflich und auch der Kommandant ist Feuerwehrbeamter und bei der Stadt u.a. auch für den Vorbeugenden Brandschutz und die Arbeitssicherheit zuständig.
Der Gemeinderat hatte im Jahr davor den Feuerwehrkommandant beauftragt, die Feuerwehr mit der Fragestellung „Wieviel Feuerwehr braucht die Stadt Kehl?“ zu untersuchen.

Dabei wurde wie folgt vorgegangen:
1. Darstellung der Aufgaben der Stadt Kehl nach Feuerwehrgesetz
2. Status, Vorteile, Probleme und Selbstverständnis einer Freiwilligen Feuerwehr
3. Erfassung und Auswertung des örtlichen Gefahrenpotentials der Gemeinde und Einteilung in Risikokategorien (als Beurteilungsgrundlage hervorragend geeignet sind die Arbeitspapiere der Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz)
4. Ansetzung vorgegebener Eintreffzeiten und im Rahmen einer Zeit-Wege-Berechnung die Festlegung der sich daraus ergebenden Ausrückbereiche
5. Aufzeigen von Alternativen für die künftige Organisationsstruktur der Gemeindefeuerwehr unter Einbeziehung überörtlicher Hilfe
6. Ermittlung und Zuordnung der erforderlichen feuerwehrtechnischen Ausstattung
7. Festlegung der personellen Sollstärke bezogen auf die Ausstattung, Aufgaben und Einsatzgebiet unter Berücksichtigung der tatsächlichen Ableistung von Feuerwehrdienst und der personellen Einsatzsicherheit
8. Übersicht über die Investitions- und Folgekosten

Der Gemeinderat hat das sich daraus entwickelte Konzept mit einer Gegenstimme beschlossen. Es ist inzwischen umgesetzt.
Dabei wurden alle elf Abteilungen als „verwaltungsmäßig selbständige Abteilungen“ - also gewissermaßen als „Verein im Dorf“ erhalten. (Definition dieses Begriffs kann dem Kommentar zum Feuerwehrgesetz BW (Gerne/Surwald) entnommen werden)
Allerdings gibt es zur flächendeckenden Gefahrenabwehr nur noch sechs „Ausrückbereiche“. Mit anderen Worten: Von zuvor elf Abteilungen mit jeweils voller technischer Ausstattung bleiben sechs technische Stützpunkte für elf Ortschaften. Fünf Stadtteilabteilungen haben also künftig kein „eigenes“ Löschfahrzeug mehr. Trotzdem ist den Eingliederungsvereinbarungen entsprochen, in denen den Dörfern der Erhalt ihrer Feuerwehrabteilung zugesichert worden war.
Formal gesehen war die Frage „Wo steht denn geschrieben, dass jede Abteilung ein eigenes Löschfahrzeug haben muss?“ der Ausgangspunkt für die Reduktion des Fuhrparks und für die Bildung von Ausrückbereichen.
Vereinfacht dargestellt, wurde um jedes zuvor (und auch danach) bestehende Feuerwehrhaus ein Kreis mit einem Radius von 2,5 km gezogen. Dies entspricht im Regelfall der Entfernung, die ein Brandort unter Einschluss entsprechender Ausrück- und Anfahrzeiten einschließlich zusätzlicher Sicherheitsreserven vom Feuerwehrhaus entfernt sein kann um rechtzeitig Rauchgasverletzte retten zu können. Ohne den Sicherheitszuschlag könnte die Entfernung nach Erfahrungswerten der Feuerwehr Kehl sogar mehr als fünf Kilometer betragen.
Nachdem die Einsatzkreise auf den Stadtplan gezirkelt waren zeigte sich, dass sie sich zum Teil erheblich überlagerten. Die logische Konsequenz - weil auch politisch gewollt - war die Bildung der Ausrückbereiche mit jeweils zugehöriger, von den in den Ausrückbereichen liegenden Abteilungen gemeinsam genutzter Geräteausstattung.
Ohne Widerstand seitens mehrerer Abteilungen und Ortschaftsräte blieb das Kehler Konzept freilich nicht. Ein Blick in die zahlreichen Artikel in der Kehler Zeitung vom Frühjahr 1995 beweist dies. Da wurde das Gutachten des Feuerwehrkommandanten angezweifelt und ein neues gefordert - von einem externen Gutachter, der die „kleinen“ Abteilungen vielleicht weniger benachteilige. Streit fürchteten die Feuerwehrleute darüber, wer denn von zwei Abteilungen in einem Ausrückbereich die Befehlsgewalt am Brandort habe. Das Gutachten widerspreche den Eingliederungsverträgen, der Brandschutz sei nicht mehr wie bisher gewährleistet, Menschen würden später gerettet, hieß es. Kurz gesagt, die Emotionen schlugen hoch, ohne dass aber von keiner Seite die Kernaussagen des Gutachtens in Zweifel gezogen wurden.
Nach dem Beschluss des Gemeinderats gab es noch „Nachhutgefechte“. 14 von 16 Feuerwehrleuten der kleinsten Abteilung Querbach stellten beim Oberbürgermeister Anträge auf Entlassung der diesen auch nachkam.
Ansonsten hat die Umsetzung der gestrafften Organisation relativ gut geklappt.
In der Zwischenzeit besteht die Freiwillige Feuerwehr aus ca. 250 „echten“ Feuerwehrangehörigen.
Nach dem Motto „Information gegen Vertrauen“ hat der Gemeinderat seinen Teil zum Gelingen beigetragen, in dem er, auch in Zeiten in denen „Schmalhans das Budget regiert“ den technischen Teil der Konzeption (Fahrzeuge, Digitale Funkalarmierung, Ausbau der Gerätehäuser) mit der Bereitstellung der dafür notwendigen Finanzmittel konsequent mit umgesetzt hat und dies wohl auch weiter tun wird.

Bei künftig wesentlich verbesserter flächendeckender personeller Einsatzsicherheit und höherwertigerer technischer Ausstattung rechnet die Stadt Kehl durch die Neuorganisation mit rund 1,25 Millionen Euro weniger Ausgaben.

Inzwischen haben auch wieder einzelne „Ehemalige“ der Abteilung Querbach, Antrag auf Wiederaufnahme in den aktiven Feuerwehrdienst gestellt. Eigentlich das beste Zeichen, dass das, was gemacht wurde, so verkehrt nicht war.
Dies verdeutlich sich auch darin, dass in den „Hinweisen zur Leistungsfähigkeit einer Gemeindefeuerwehr“ des Landesfeuerwehrverbands aus dem Jahr 2000 in den wesentlichen Grundzügen die „Konzeption Kehl“ wieder zu finden ist.

 
   
   
     
 
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